Bedrohliche Eiseskälte in Europa
Der Strand von Palma de Mallorca liegt unter Schnee. (Keystone)
In der Nacht auf Montag sind auf der Glattalp minus 45 Grad gemessen worden - neuer Rekord. Die SBB bekundeten Probleme mit vereisten Weichen. Unia schliesst weitere Baustellen. Sie fürchtet um die Gesundheit der Bauarbeiter. Mehr
In der Schweiz wurde ein Kälterekord in bewohnten Gebieten für diesen Winter gemessen: In der Gemeinde Samedan nahe St. Moritz im Südosten des Landes fiel die Temperatur in der Nacht zum Montag auf minus 35,1 Grad.
Auch in Deutschland wurden in der Nacht zum Montag neue Tiefstwerte gemessen. In der Stadt Usedom sanken die Temperaturen auf minus 29,1 Grad. Damit wurden die bisherigen Kälterekorde aus dem Eiswinter 1956 leicht übertroffen.
«Es war die kälteste Nacht dieses Winters, das wird wohl nicht mehr gesteigert», sagte Meteorologe Marcus Beyer. In Baden-Württemberg wurden in Leutkirch minus 24,6 Grad gemessen. In Berlin waren es minus 24,0 Grad.
Viele Flüsse liegen unter Packeis
Die Schifffahrt in Bayern kam weitgehend zum Erliegen. Allein wegen der Eis-Sperre auf dem Main-Donau-Kanal könnten inzwischen 32 Binnenschiffe nicht weiterfahren, berichtete das Wasser- und Schifffahrtsamt Nürnberg am Montag. Auch den Schiffen auf dem deutschen Oberlauf der Elbe droht die Zwangspause. «In maximal 48 Stunden wird der Fluss zwischen Saale und Dresden gesperrt, wenn das Wetter so bleibt», sagte Wolfgang Schwehla vom Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden. Das Treibeis sei eine Gefahr.
Schnee und Eis auf Mallorca
Auf Mallorca wurden die tiefsten Temperaturen seit 40 Jahren registriert. Wie die Lokalpresse am Montag berichtete, waren an der Balearen-Universität in Palma de Mallorca am Vortag -5,7 Grad gemessen worden. Eine solche Kälte hatte es zuletzt im Jahr 1972 gegeben. Die spanische Ferieninsel hatte am Wochenende zudem die stärksten Schneefälle seit 1956 erlebt. In den Bergen lag eine Schneedecke von bis zu 30 Zentimeter. Zeitweise waren auch die Badestrände eingeschneit. Mehrere Flüge waren verspätet.
Besonders dramatisch ist die Lage in Osteuropa
In der Ukraine starben wegen der bitteren Kälte mit Temperaturen bis minus 30 Grad mindestens 135 Menschen, wie das Zivilschutzministerium in Kiew mitteilte. In den Krankenhäusern werden 2000 Menschen mit Erfrierungserscheinungen behandelt.
In Polen starben seit Ende Januar mehr als 60 Menschen, dort sanken die Temperaturen teilweise auf minus 24 Grad. In Tschechien war es noch kälter: Im Südwesten an der Grenze zu Deutschland wurden minus 39,4 Grad gemessen. Und die Meteorologen erwarteten in der Nacht zu Dienstag noch tiefere Temperaturen.
Auch in Bosnien und Serbien kamen mehrere Menschen in der Kälte ums Leben. In Tschechien hält die Gemeinde Kvilda an der Grenze zu Bayern weiter den Kälterekord des Landes: Dort zeigte das Thermometer am Montag minus 39,4 Grad.
Bulgarien kämpft überlaufenden Staudämmen
In Bulgarien folgten der arktischen Kälte heftige Regenfälle, die zu Überschwemmungen führten. Dabei kamen mindestens acht Menschen ums Leben, wie der staatliche Radio in Sofia berichtete. Grund für die Überschwemmungen sind elf Stauseen im Süden Bulgarien, die übergelaufen sind. Das Aussenministerium warnte die Nachbarstaaten Türkei und Griechenland vor einer kommenden Flutwelle. Der wichtigste Grenzübergang zur Türkei wurde deswegen geschlossen.
Südeuropa macht die ungewöhnliche Kälte zu schaffen
In Italien starben Schätzungen zufolge bislang zehn Menschen. In Rom und zahlreichen anderen Städten blieben am Montag Schulen und Behörden geschlossen. Zehntausende Menschen waren in Mittelitalien noch immer ohne Strom. Aus Frankreich wurden am Wochenende vier Tote gemeldet.
Die Aussichten für die kommenden Tage sind weiter eisig: Zwar lässt die Kälte ein bisschen nach, wenn Wolken von Mittelmeer-Tief «Julia» Deutschland streifen. Ab Dienstag kann es ein wenig schneien, aber viel wird nach Einschätzung der Meteorologen nicht zusammenkommen. Nachts herrscht weiter strenger Frost. (bat, dpa/sda)
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